Karriere starten mit KI: Chancen und Risiken
25.02.2026
Anne-Sophie Mayer, Professorin für Digitale Arbeit, erforscht wie KI das Miteinander in Unternehmen und den Arbeitsalltag beeinflusst.
25.02.2026
Anne-Sophie Mayer, Professorin für Digitale Arbeit, erforscht wie KI das Miteinander in Unternehmen und den Arbeitsalltag beeinflusst.
© Tobias Hase
KI schiebt den Berufseinstieg an
Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt im Eiltempo. Prozesse laufen automatisiert, Aufgaben wandern, Berufsbilder sortieren sich neu. Anne-Sophie Mayer, Professorin für Digitale Arbeit an der LMU Munich School of Management, untersucht, wie KI den Alltag und das Miteinander in Unternehmen prägt. Ihr Fokus liegt auf der Frage, was das für Lernen, Kompetenzen und Karrieren von Berufseinsteigern bedeutet.
Wofür Einsteiger die Tools einsetzen
Junge Berater nutzen ChatGPT, Copilot oder Midjourney vor allem als Beschleuniger. Routineaufgaben gehen an die Maschine, Präsentationen und Visualisierungen entstehen schneller und oft passgenauer. Viele verwenden KI auch als persönlichen Sparringspartner, etwa für Gehaltsverhandlungen oder Jahresgespräche. In manchen Teams wird KI zudem Teil der Zusammenarbeit und spiegelt Ideen, gibt Empfehlungen und hilft beim Brainstorming.
Wie KI den Kompetenzerwerb verändert
Der Einsatz von KI verändert, wie Berufseinsteiger lernen. Auf der einen Seite können Juniorberater unabhängiger arbeiten, weil sie Fragen, die früher an erfahrene Kolleginnen, Kollegen oder Führungskräfte gingen, heute häufig mit einem digitalen Assistenten klären. Auf der anderen Seite wird es für Führungskräfte dadurch schwieriger, Wissenslücken oder Fortbildungsbedarfe bei neuen Teammitgliedern zu erkennen. Außerdem fällt ein Teil des Lernens weg, der früher über direkte Interaktion lief, weil Rückfragen, Feedback und gemeinsames Problemlösen seltener werden.
Mentoring und Netzwerke werden wichtiger
Mayer betont, dass individuelles Mentoring nicht so schnell durch Technologie ersetzt wird. Wer Potenziale erkennt, Türen öffnet, die richtigen Personen vorstellt oder jemanden gezielt in ein Projekt mitnimmt, ist weiterhin ein Mensch. Auch Netzwerke bleiben zentral. Sie sind wichtig für den Kompetenzerwerb und für Aufstiegschancen, aber ebenso für die Unternehmenskultur. Wenn Kommunikation und Wissensarbeit stärker in KI-Tools verlagert werden, kann die Verbreitung von Wissen im Unternehmen leiden. KI-Assistenten arbeiten isoliert mit einzelnen Nutzern und viele Fragen, Ideen oder Lösungsansätze bleiben im Tool und werden nicht im Team geteilt. Mayer sieht, dass Unternehmen dieses Risiko bislang oft unterschätzen.
Der Mehrwert muss sichtbar werden
Auch die Qualität von Arbeit verändert sich. Einzelne Nutzer können durch KI kreativer werden. Auf Teamebene zeigt sich aber häufig eine stärkere Angleichung von Inhalten, wie auch andere Studien nahelegen. Für Berufseinsteiger steigt damit der Druck, den eigenen Mehrwert sichtbar zu machen. Ergebnisse können sprachlich und optisch glänzen, obwohl unklar bleibt, wie sie entstanden sind und ob sie stimmen. Die Prüfung von Outputs wird deshalb für Führungskräfte wichtiger.
Viele Berufseinsteiger suchen den direkten Austausch mit Führungskräften, teilen hilfreiche Prompts oder bilden sich gezielt weiter, etwa Richtung LLM-Engineering. Selbstmarketing gewinnt an Gewicht, weil sich Leistung weniger von selbst erklärt. Wer als wertvoll wahrgenommen werden will, muss häufiger zeigen, worin der eigene Beitrag besteht und wie er sich von anderen Kolleginnen und Kollegen oder vom Tool unterscheidet.
Warum Führungskräfte mehr fordern und zugleich mehr prüfen müssen
Führungskräfte erhöhen die Erwartungen. Fehler werden weniger toleriert, sprachliche und formale Qualität wird strenger bewertet. Gleichzeitig entsteht ein Bewertungsproblem, weil sich oft nicht mehr nachvollziehen lässt, wie ein Ergebnis zustande kam. Dazu kommt das Risiko professionell aussehender Unterlagen mit falschen Zahlen oder halluzinierten Inhalten. Führungskräften fehlt jedoch häufig die Zeit für Detailprüfungen, obwohl ein Fehler in einer Kundenpräsentation spürbaren Reputationsschaden anrichten kann.
Wie Unternehmen gegensteuern können
Einige Unternehmen versuchen gegenzusteuern. In der untersuchten Beratung wurden Zwischenprüfungen eingeführt, in denen Juniorberater erklären, wie sie zu Ergebnissen gekommen sind und den Arbeitsprozess transparent machen. Das soll reines Kopieren und Einfügen verhindern. Zusätzlich wurde ein Weiterbildungsprogramm aufgebaut, das grundlegende Kompetenzen trotz KI vermittelt und den reflektierten Umgang mit den Tools stärkt. Parallel wird an eigenen Sprachmodellen gearbeitet, um Qualität und Nachvollziehbarkeit zu erhöhen. Dazu gehören Vorgaben, Quellen zu nennen und den Weg zum Ergebnis zu zeigen, nicht nur das fertige Resultat.
Beschleunigt KI den Aufstieg?
Ob Berufseinsteiger durch KI schneller aufsteigen, ist laut Mayer offen. Sie beschreibt eine paradoxe Situation, in der Juniorberater früher in Projekten mitarbeiten und früher mit zu Kunden gehen, obwohl sie zuvor zwei bis drei Jahre vor allem zugearbeitet haben. Trotzdem folgt daraus nicht automatisch eine schnellere Beförderung. In hierarchischen Branchen sind Senior-Stellen begrenzt. Manche Unternehmen prüfen daher bereits, ob sie künftig überhaupt so viele Einstiegsstellen brauchen wie bisher.
Was Berufseinsteiger jetzt tun können
Mayer rät Berufseinsteigern, KI nicht zu meiden, weil die Tools großen Mehrwert bieten können, sowohl für den Einzelnen als auch für die Organisation. Gleichzeitig werde es immer wichtiger zu verstehen, wie die Systeme funktionieren und wie man mit ihnen innovativ und verantwortungsvoll arbeitet. Berufseinsteiger können einen wertvollen Beitrag leisten, indem sie aus ihren Erfahrungen berichten, auf Risiken hinweisen und Potenziale sichtbar machen. Sie empfiehlt, technische Fähigkeiten aufzubauen, zu denen gutes Prompting oder ein grundlegendes Verständnis gehört, wie ein LLM entsteht. Gleichzeitig sollten Berufseinsteiger soziale Netzwerke bewusst pflegen, weil Beziehungen im Unternehmen entscheidend bleiben, wenn es um Expertise, Zugang zu Projekten und Stellen sowie um persönliche und berufliche Weiterentwicklung geht.
Das Interview mit Prof. Dr. Anne-Sophie Mayer zu diesem Text lesen Sie im Forschungsmagazin Umdenken: "Wie KI den Berufseinstieg verändert."
Prof. Dr. Anne-Sophie Mayer gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Nutzung von KI im Berufseinstieg.
1:30 | 25.02.2026 | ©LMU