Sprachvielfalt in multinationalen Unternehmen
Sprache beeinflusst, wie Menschen Wissen austauschen, wessen Expertise Anerkennung findet und wer sich an Diskussionen und Entscheidungen beteiligen kann. Mit Ansätzen aus der Managementforschung, Linguistik und Organisationspsychologie untersuchen wir, wie Sprachbarrieren die emotionale Dynamik und die Beziehungen zwischen Kolleginnen und Kollegen prägen. Dabei interessieren uns besonders die Entwicklung von Vertrauen, Machtunterschiede und der Wissensaustausch in multinationalen Organisationen. Darüber hinaus erforschen wir, wie Unternehmen ihre sprachlichen Ressourcen aufbauen und für ihre internationale Tätigkeit nutzen.
Multinationale und virtuelle Teams
Wie gelingt die Zusammenarbeit in Teams, deren Mitglieder unterschiedliche Sprachen sprechen, aus verschiedenen Kulturen kommen und an mehreren Standorten arbeiten? Uns interessiert, wie sie ein gemeinsames Verständnis ihrer Arbeit entwickeln und ihre Aufgaben aufeinander abstimmen. Dabei untersuchen wir auch, welche Kommunikationsmedien sie nutzen und wie sie diese miteinander kombinieren. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Beschäftigten, die mehreren Teams gleichzeitig angehören. Am Beispiel von Job Crafting erforschen wir, wie sie ihre Aufgaben und Arbeitsweisen selbst gestalten, um hohe Arbeitsanforderungen zu bewältigen, und wie sich dies auf ihre Kolleginnen und Kollegen auswirkt. In einem unserer neuesten Projekte gehen wir zudem der Frage nach, wie geopolitische Schocks und internationale Krisen die tägliche Zusammenarbeit in multinationalen Teams prägen.
Künstliche Intelligenz und mehrsprachige Kommunikation
Wie verändert generative KI die Verständigung über Sprachgrenzen hinweg? In einer neueren Publikation untersuchen wir, wie sich unterschiedliche Anweisungen an KI-Systeme auf die Übersetzung geschäftlicher E-Mails auswirken: Wie gut passen die Formulierungen zum kulturellen Kontext, und wie reagieren die Empfängerinnen und Empfänger darauf? Weitere Projekte beschäftigen sich damit, wie Menschen und KI beim Verfassen, Übersetzen und Interpretieren von Nachrichten zusammenwirken und welche Folgen dies für Vertrauen und Wissensaustausch in multinationalen Unternehmen hat. Dabei interessiert uns besonders, wann KI Sprachbarrieren abbaut und wann sprachlich überzeugende Texte Missverständnisse verdecken. Eng damit verbunden ist die Frage, welche Fähigkeiten Menschen für die Beurteilung und den angemessenen Einsatz KI-generierter Nachrichten brauchen.
Führung im internationalen Kontext
In multinationalen und virtuellen Teams ist Führung besonders anspruchsvoll. Wir erforschen, wie Führungskräfte mit sprachlichen und kulturellen Unterschieden im Team umgehen und ihre Mitarbeitenden dabei unterstützen, ihr Wissen und ihre Fähigkeiten einzubringen. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Umgang mit Frustration und Unsicherheit, die durch Sprachbarrieren entstehen können. Wie lassen sich Kompetenzen erkennen, die aufgrund begrenzter Sprachkenntnisse leicht übersehen werden? Wie können Führungskräfte alle Teammitglieder einbeziehen und auch über räumliche Distanz hinweg Vertrauen aufbauen? Mit diesen Fragen untersuchen wir, welche Formen der Führung sich in internationalen und virtuellen Arbeitskontexten bewähren und welche Kompetenzen dafür erforderlich sind.
Inklusion und Identität in internationalen Arbeitskontexten
Ob Menschen sich am Arbeitsplatz zugehörig oder ausgeschlossen fühlen, kann auch ihr berufliches Selbstverständnis prägen. Wir untersuchen diese Erfahrungen unter anderem am Beispiel hochqualifizierter Migrantinnen und Migranten. Im Mittelpunkt stehen dabei Mikroaggressionen, also subtile Bemerkungen oder Handlungen, die als abwertend oder ausgrenzend erlebt werden. Ein weiterer Forschungsstrang widmet sich den beruflichen Zielen und dem Selbstverständnis japanischer Frauen, unter anderem in Niederlassungen ausländischer Unternehmen. Uns interessiert, welche Rolle Sprache, kultureller Hintergrund und Geschlecht für die Erwartungen spielen, denen Menschen im Arbeitsleben begegnen. Wie gehen sie damit um, wenn diese Erwartungen ihren eigenen Vorstellungen und Zielen widersprechen?
Forschungsmethoden
Wir arbeiten überwiegend qualitativ. Interviews und Fallstudien ermöglichen es uns, Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag und Organisationsprozesse in multinationalen Unternehmen eingehend zu verstehen. Je nach Fragestellung setzen wir auch quantitative Methoden ein oder verbinden beide Ansätze in Mixed-Methods-Studien. Daneben entwickeln wir in konzeptionellen Arbeiten theoretische Erklärungen für bislang wenig verstandene Phänomene.
Zusammenarbeit
Unsere Forschung entsteht im Austausch mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im In- und Ausland sowie mit Organisationen aus der Praxis. Organisationen, die an einer Forschungskooperation interessiert sind, können sich gerne an Prof. Dr. Helene Tenzer wenden: tenzer@lmu.de