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PROFESS-Studie: Hohe Belastung in der Professorenschaft

11.03.2026

Die PROFESS-Studie der SOM gemeinsam mit der TK macht deutlich: Viele Professorinnen und Professoren in Deutschland arbeiten unter hoher Belastung.

© TK

PROFESS-Studie von SOM und Techniker Krankenkasse untersucht Belastung in der Professorenschaft

Die gemeinsame Studie der Forschungsstelle Higher Education Research and Governance unter Leitung von Prof. Dr. Yvette Hofmann und der Techniker Krankenkasse zeigt eine hohe Stressbelastung unter Professorinnen und Professoren in Deutschland. Die Ergebnisse weisen auf strukturelle und organisatorische Ursachen hin und liefern eine empirische Grundlage für weitere Entscheidungen in Hochschulen und Wissenschaftspolitik.

Rund zwei Drittel der Professorinnen und Professoren in Deutschland leiden häufig oder dauerhaft unter Stress. Mehr als 85 Prozent sehen ihre Gesundheit durch die Arbeitsbelastung zumindest teilweise gefährdet. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Promoting Resilience and Optimizing Faculty Environment for Sustainable Success“ (PROFESS), die das Center for Higher Education Research & Governance der LMU München gemeinsam mit der Techniker Krankenkasse durchgeführt hat. Zwischen März und Mai 2025 wurden dafür die Angaben von mehr als 2.000 Professorinnen und Professoren zu Arbeitsbelastung, Zufriedenheit, Gesundheit, Wohlbefinden und Strategien der Stressbewältigung ausgewertet. Die Ergebnisse wurden im Februar 2026 von der Techniker Krankenkasse veröffentlicht.

Belastungen im Arbeitsalltag entstehen vor allem aus strukturellen und organisatorischen Rahmenbedingungen

80,4 Prozent der Befragten empfinden ihre Arbeit als sehr intensiv und 62,7 Prozent fühlen sich in einer Arbeitswoche häufig bis immer gestresst. 68,4 Prozent berichten von Termindruck, 64,2 Prozent geben an, aufgrund des hohen Arbeitsaufkommens bestimmte Aufgaben zu vernachlässigen. Die Stressbelastung fällt an Universitäten mit 64,7 Prozent höher aus als an Hochschulen für angewandte Wissenschaften mit 57,5 Prozent. Zudem berichten Frauen deutlich häufiger von Stress als Männer.

Vielzahl gleichzeitiger Aufgaben besonders belastend

Neben Lehre, Forschung und Betreuung des wissenschaftlichen Nachwuchses übernehmen Professorinnen und Professoren auch Gremienarbeit, Managementaufgaben, Drittmittelakquise und Begutachtungen. Neu berufene Professorinnen und Professoren fühlen sich in den ersten Jahren, insbesondere beim Aufbau von Forschungsstrukturen, häufig nicht ausreichend unterstützt.

Gesundheitliche Belastung sind die Folge

86,1 Prozent der Professorenschaft sehen ihre Gesundheit aufgrund der Arbeitsbelastung zumindest teilweise gefährdet. Zu den häufigsten Beschwerden zählen mentale Erschöpfung, Schlafstörungen und körperliche Erschöpfung. Acht Prozent der Befragten berichten, in den vergangenen sechs Monaten ein Burn-out erlitten zu haben.

Durchhalten als Devise und trotzdem zufrieden

Im Umgang mit Belastungen setzen viele Befragte vor allem auf individuelle Bewältigungsstrategien. Mehr als die Hälfte gibt an, in Stresssituationen vor allem „durchzuhalten“. Körperliche Aktivität, soziale Kontakte und bewusste Ernährung zählen zu den am häufigsten genannten Formen der Kompensation. Die Studie bewertet diese Tendenz kritisch und verweist darauf, dass Gesundheitsförderung nicht allein als individuelle Aufgabe verstanden werden sollte.

Zugleich zeigt die Untersuchung, dass viele Professorinnen und Professoren ihre Verantwortung für andere bewusst wahrnehmen. 89,8 Prozent fühlen sich manchmal oder häufig für die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden verantwortlich, 86,5 Prozent auch für die ihrer Studierenden. Fast die Hälfte gibt allerdings an, kein gutes Vorbild in Fragen der Work-Life-Balance zu sein.

Dennoch ist die Identifikation mit dem Beruf weiterhin ausgeprägt: 41,2 Prozent der Befragten sind mit ihrer Arbeitssituation insgesamt sehr oder eher zufrieden, weitere 48,5 Prozent teilweise. Die Ergebnisse verdeutlichen damit sowohl die hohe Motivation vieler Professorinnen und Professoren als auch den bestehenden Handlungsbedarf bei den Arbeitsbedingungen.

Empfehlung

Prof. Dr. Yvette Hofmann und ihr Team der Studie empfehlen, die Gesundheit der Professorenschaft stärker in bestehende Gesundheitsangebote der Hochschulen einzubeziehen und strukturelle Rahmenbedingungen zu verbessern. Genannt werden unter anderem klare Prioritäten, realistische Erwartungshorizonte, Coaching- und Informationsangebote, verbesserte Lehr- und Arbeitsräume sowie die aktive Förderung des Netzwerkens.

Weitere Informationen:

Forschungsstelle für Higher Education Research and Governance

PROFESS (Promoting Resilience and Optimizing Faculty Environment for Sustainable Success) - Das Forschungsprojekt für gesundheitsförderliche Hochschulkultur.

Artikel über die Studie "Große Arbeitsbelastung an deutschen Hochschulen" in der Forschung & Lehre vom 10.03.2026

Interview zur Studie auf Der Wiarda Blog: "Das ist erschreckend"

Personenseite von Prof. Dr. Yvette Hofmann